Schritte zur Gründung

Von den ersten Überlegungen bis hin zum laufenden Betrieb einer Energiegemeinschaft ist vieles zu entscheiden und in die Wege zu leiten. Neben der richtigen Zusammensetzung und passenden Organisationswahl sind der kooperative Austausch mit dem Netzbetreiber und anderen Marktpartnern wesentliche Erfolgskriterien. Gleichzeitig müssen einige Formalitäten beachtet und eingehalten werden.

1. Einstiegsfragen

Folgende grundlegende Fragen sollten vor der Gründung einer Energiegemeinschaft beantwortet werden:

  • Warum möchte ich eine Energiegemeinschaft gründen bzw. warum möchte ich einer Energiegemeinschaft beitreten? Mögliche Vorteile finden Sie hier.
  • Habe ich eine Erzeugungsanlage? Habe ich einen Energiespeicher?
  • Möchte ich einer Energiegemeinschaft nur als Verbraucher beitreten und damit die Vorteile nutzen? Das setzt voraus, dass genügend Erzeugungskapazität in der Energiegemeinschaft vorhanden ist.
  • Welche Akteur:innen (z.B. Privatpersonen, Gewerbetreibende oder Gemeinden) nehmen teil? Es kann wichtig sein, potentielle Mitglieder einer Energiegemeinschaft möglichst frühzeitig in die Überlegungen einzubeziehen. Alle möglichen Teilnehmer sollten immer denselben Wissensstand haben.
  • Plane ich eine Investition in eine Erzeugungsanlage oder einen Energiespeicher? Strebe ich eine gemeinschaftliche Anschaffung an?
  • Möchte ich mich mit organisatorischen Dingen auseinandersetzen (wie Gründung, Abrechnung, Monitoring oder Betreuung von EG) oder möchte ich mich eines externen Dienstleisters bedienen?

2. Kontakt mit dem Netzbetreiber

Sobald alle Beteiligten feststehen und die allgemeinen Rahmenbedingungen geklärt sind, ist es empfehlenswert, mit dem oder den Netzbetreiber(n) Kontakt aufzunehmen um die wichtigsten Eckpunkte zu klären: Ist die EEG mit
den angedachten Teilnehmer:innen lokal oder regional? Hat schon jedes potentielle EEG-Mitglied
einen betriebsfähigen Smart-Meter zur Verfügung?

Nähere Informationen finden Sie hier. Die jeweiligen Netzbetreiber-Kontaktdaten finden Sie hier.

3. Konzepterstellung

Die bereits gesammelten grundlegenden Informationen werden nun in einem Konzept verarbeitet. Dabei wird zuerst festgelegt, welche Art von Energiegemeinschaft gegründet werden soll und unter welcher Organisationsform die Gemeinschaft geführt werden soll. Auch Punkte wie die Wahl der internen Abrechnung, und die Festlegung des Strompreises innerhalb der EEG sollten beschlossen werden. Je nach Aufbau und Anzahl der Teilnehmer:innen ist eine mehr oder weniger detaillierte und dokumentierte Projektplanung zu empfehlen.

 

4. Rechtspersönlichkeit gründen & als Marktpartner registrieren

Betreiber:innen und Teilnehmer:innen gründen gemeinsam z. B. einen Verein oder eine Genossenschaft. Mit der Gründung der Gesellschaftsform wird die Gemeinschaft handlungsfähig und kann zum Beispiel Dienstleister damit beauftragen, sie beim weiteren Aufbau zu unterstützen.

Zunächst ist eine Registrierung der EEG als Marktteilnehmerin unter www.ebutilities.at notwendig. Ist die Registrierung abgeschlossen, erhält die EEG eine Marktpartner-ID (RC-Nummer). Diese ID ist für die Anmeldung der EEG beim Netzbetreiber notwendig.

Auch für den Abschluss des Vertrags mit dem Netzbetreiber ist die Gründung einer Rechtsperson Voraussetzung. Zusätzlich sollten bei der Gründung auch innergemeinschaftliche Belange geregelt werden (Aufteilungsschlüssel, Abrechnung,…).

Tipp: Um diese Themen sollten sich die Fragen bei der Wahl der Organisationsform
(Verein oder Genossenschaft o. ä.) drehen:

  • Gründungsaufwand
  • Kosten
  • Anzahl der Teilnehmer:innen
  • Flexibilität der Mitglieder (Ein- und Austritte)
  • Haftungsfragen

5. Vertrag mit dem Netzbetreiber

Mit dem Vertragsabschluss wird die Anmeldung der Energiegemeinschaft beim Netzbetreiber offiziell abgeschlossen.

Der Vertragsabschluss gliedert sich in zwei Bereiche:

  1. Vereinbarung zwischen EEG und Netzbetreiber (der beinhaltet u. a. die Details zu den Zählpunkten wie Art und
    Leistung der Erzeugung oder Art und Anteil an der Aufteilung und der Art der EEG – also ob lokal oder regional)
  2. Zusatzvereinbarung zum bestehenden Netzzugangsvertrag zwischen einzelnen Teilnehmer:innen und dem
    Netzbetreiber

Die Verträge werden vom Netzbetreiber erstellt und an die Gemeinschaft übermittelt.

6. Marktkommunikation & Inbetriebnahme

Im letzten Schritt erfolgt die Anbindung an die Marktkommunikation (z. B. per EDA Anwenderportal). Hier werden die Strommengen der innergemeinschaftlichen Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen übermittelt. Die Daten sind u. a. für die Abrechnung notwendig.

Je nach Größe und Komplexität einer EEG kann für die Abrechnung eine externe Software notwendig sein. Über die Marktkommunikation findet auch die An- und Abmeldung von Teilnehmer:innen durch die EEG statt. Alternativ kann auch ein Dienstleister mit Empfang, Übertragung und Abrechnung der Daten beauftragt werden.

Der Netzbetreiber sorgt schnellst möglichst für die technische Voraussetzungen (z. B. Smart Meter-Einbau, Sicherstellung einer stabilen Daten-Kommunikation) für die von der Gemeinschaft angemeldeten Teilnehmer:innen. Anschließend geht die Gemeinschaft mit den ersten Verbrauchs- und Einspeisezählpunkten in Betrieb.

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Errichtung neuer Erzeugungsanlagen

Neben den oben genannten notwendigen Gründungsschritten könnte es für eine EEG interessant sein, neue Erzeugungsanlagen in die Gemeinschaft zu integrieren. Auf folgende drei Punkte sollten Sie dabei Acht nehmen:

 

1. Anlagenplanung

Die Anlagenplanung  hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Technologie und Standort für die Energieerzeugung
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen (können sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden)
  • Fördermodelle

In eine Energiegemeinschaft können bestehende Anlagen eingebracht werden. Ziel ist aber auch, den Ausbau von dezentralen erneuerbaren Erzeugungsanlagen voranzutreiben. Bei diesen Neuanlagen sind zunächst Technologie und Standort der Erzeugungsanlage(n) festzulegen, da die weiteren Planungsschritte davon abhängig sind. Zusätzlich kann der Frage nachgegangen werden, ob regionale Optionen für eine Sektorkopplung (z.B. Wärme, Mobilität) vorhanden sind.

Für Bundeslandspezifische Vorschriften (wie etwa Raumordnung bzw. Raumplanung, Bauordnung, Stadtbild, Naturschutz, Wasserrecht, Gewerberecht, etc.) wenden Sie sich bitte an die Energieberatungsstelle Ihres Bundeslandes. Je nach Technologie können folgende Gesetze relevant für Errichtung & Betrieb einer Anlage sein:

  • Raumordnung bzw. Raumplanung
  • Bauordnung
  • Elektrizitätswesen
  • Naturschutz
  • Wasserrecht
  • Gewerberecht

Einige der gesetzlichen Rahmenbedingungen werden in den Bundesländern geregelt, die jeweiligen Landesgesetze finden Sie im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS).

 

2. Finanzierung

Für die Finanzierung stehen unterschiedliche Möglichkeiten offen:

  • Anlagen zur Erzeugung oder Speicherung von Energie aus Eigenkapital der einzelnen EG-Mitglieder (z.B. nur von einem Haushalt/Mitglied organisiert bzw. finanziert)
  • Anlagen zur Erzeugung oder Speicherung von Energie aus Gemeinschaftskapital (z.B. Verein, Haushalte oder Gewerbebetriebe)
  • Anlagen zur Erzeugung oder Speicherung von Energie aus Fremdkapital (z.B. Crowd-Funding, Leasing oder Contracting)

Weiterführende Informationen und einen umfangreichen Leitfaden zum Thema „Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften“ finden Sie hier.

 

3. Errichtung & Betrieb

Bei der Errichtung einer Erzeugungsanlage sollte darauf geachtet werden, dass der Errichtungsbetrieb eine gewisse Qualität sicherstellen kann, die den Vorgaben des Bundeslandes und den technischen Richtlinien des jeweiligen Verteilernetzbetreibers entspricht. Die Abnahme der Erzeugungsanlage hat jedenfalls durch ein konzessioniertes Unternehmen zu erfolgen.

Beispielhaft findet sich hier ein Wegweiser zur Installation einer PV Anlage.