Was sind Energiegemeinschaften?

Einfach gesagt, ist eine Energiegemeinschaft der Zusammenschluss von mindestens zwei Teilnehmern, zur gemeinsamen Produktion und Verwertung von Energie.

Hintergrund

Die Österreichische Bundesregierung hat mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket (EAG-Paket) eine Reihe an Gesetzesänderungen vorbereitet, die am 07.07.2021 im Nationalrat beschlossen wurden und und am 27.07.2021 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde.

Ziel dieser Gesetze ist, die Stromversorgung des Landes bis 2030 auf 100 Prozent Strom (bilanziell) aus erneuerbaren Energieträgern umzustellen und bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. Mit dem EAG werden wichtige Vorgaben aus dem „Clean Energy for all Europeans Package“ (CEP) der Europäischen Union in Österreich umgesetzt. Die Möglichkeit in Zukunft Energiegemeinschaften zu gründen, ist ein Teil davon.

 

Neue Modelle, neue Möglichkeiten

Schon mit der „kleinen Ökostrom-Novelle 2017“ wurde in Österreich die Möglichkeit geschaffen, dass mehrere Personen auf einem Grundstück gemeinschaftlich Strom produzieren und verwerten (Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen).

Das Modell der Energiegemeinschaften reicht deutlich weiter.

Mit den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen wird es erstmals möglich, dass sich Personen zusammenschließen und über Grundstücksgrenzen hinweg Energie

  • produzieren
  • speichern
  • verbrauchen
  • und verkaufen.

Die neuen Gesetze definieren zwei Energiegemeinschafts-Modelle: die lokal beschränkte „Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft“ und die in Österreich geografisch unbeschränkte „Bürgerenergiegemeinschaft“.

Die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG)

Eine EEG darf Energie (Strom, Wärme oder Gas) aus erneuerbaren Quellen erzeugen, speichern, verbrauchen und verkaufen. EEGs ist es erlaubt, die Anlagen des Netzbetreibers (wie das Stromnetz) zu nützen, dabei müssen sie immer innerhalb des Konzessionsgebiets eines einzelnen Netzbetreibers liegen.

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sind auf den „Nahebereich“ beschränkt. Im Stromnetz ist der Nahebereich einer EEG durch die Netzebenen bestimmt. Verwenden die Teilnehmer*innen der EEG denselben Bereich innerhalb der Netzebenen 6 und 7 (Niederspannungsnetz), handelt es sich um den lokalen Bereich, wird die Netzebene 4 (nur die Mittelspannungs-Sammelschiene im Umspannwerk) und Netzebene 5 mit einbezogen um den regionalen Bereich.

Mitglieder oder Gesellschafter von EEGs können Privat- oder Rechtspersonen sein, Gemeinden, lokale Behörden oder auch KMUs. Sie müssen im Nahebereich der Erzeugungsanlage(n) angesiedelt sein.

Als Organisationsform ist für EEGs vom Verein bis zur Kapitalgesellschaft vieles möglich, allerdings steht die Gemeinnützigkeit im Vordergrund. Der Hauptzweck von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften liegt nicht im finanziellen Gewinn, dies muss in den Statuten verankert sein oder sich aus der Organisationsform der Energiegemeinschaft ergeben.

Die Bürgerenergiegemeinschaft (BEG)

Für Bürgerenergiegemeinschaften gelten ähnliche Regelungen wie für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Im Gegensatz zur EEG darf die BEG nur elektrische Energie erzeugen, speichern, verbrauchen und verkaufen. Sie ist nicht auf erneuerbare Quellen beschränkt und kann sich über die Konzessionsgebiete mehrerer Netzbetreiber in ganz Österreich erstrecken.

Auch in BEGs können die Mitglieder bzw. Gesellschafter Privat- und/oder Rechtspersonen sein, es gilt in gleicher Weise, dass die Gewinnerzielung nicht im Vordergrund stehen darf. Wie bei den EEGs muss das in den Statuten verankert sein oder sich aus der Organisationsform der Energiegemeinschaft ergeben.

Das ist keine Energiegemeinschaft (EG)

Das Wort „Energiegemeinschaft“ ist schon in aller Munde. Das EAG-Gesetzespaket definiert den Begriff ganz klar und sieht einige Einschränkungen vor.

Einzelpersonen können keine Energiegemeinschaft gründen. Jede EG benötigt zwei oder mehr Mitglieder.

Unternehmen (KMUs) können sich an EEGs beteiligen, die Teilnahme darf aber nicht ihr gewerblicher oder beruflicher Hauptzweck sein. Großunternehmen sind von der Teilnahme gänzlich ausgeschlossen.

Elektrizitäts- und Erdgasunternehmen dürfen sich nicht an EEGs beteiligen, das gilt auch für Erzeuger, die von Energieunternehmen (Versorger, Lieferanten, Stromhändler) kontrolliert werden. Hinweis: In BEGs ist die Teilnahme von Energieversorgungsunternehmen möglich, in der Ausübung von Kontrolle sind diese aber stark eingeschränkt.

Die Kontrolle über Bürgerenergiegemeinschaften auszuüben ist nur natürlichen Personen, Gebietskörperschaften und Kleinunternehmen erlaubt. Mittel- und Großbetriebe sind davon ausgeschlossen.