Anlaufstelle Netz

Der Netzbetreiber ist jedenfalls ein zentraler Partner bei Errichtung und Betrieb von Energiegemeinschaften. In beiden EU-Richtlinien für Energiegemeinschaften - EU RL 2018/2001 und EU RL 2019/944 - ist vermerkt, dass die jeweiligen Netzbetreiber mit den Energiegemeinschaften zusammenarbeiten sollen, um die Energieübertragungen innerhalb der Gemeinschaft zu erleichtern.

Rechtliche Informationen

  • Die Definition der Grenze einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft ist die Stromnetzebene (§ 16c ElWOG), Netzbenutzer haben gemäß §§ 16b, 16c, 16d, 16e ElWOG einen Rechtsanspruch gegenüber Netzbetreibern, an einer Energiegemeinschaft (Erneuerbare- oder Bürger-Energiegemeinschaft) teilzunehmen.
  • Netzbenutzer haben binnen 14 Tagen Auskunft darüber zu bekommen, an welchen Teil des Verteilernetzes ihre Verbrauchs- bzw. Erzeugungsanlagen angeschlossen sind.
  • Der Netzbetreiber hat den Bezug der Verbrauchsanlagen der teilnehmenden Netzbenutzer sowie die Einspeisung und den Bezug der Erzeugungsanlagen mit einem Lastprofilzähler oder unterhalb der Grenzen des § 17 Abs. 2 mit einem intelligenten Messgerät gemäß § 7 Abs. 1 Z 31 zu messen (ElWOG §16e).
  • Netzbetreiber haben Vorkehrungen für eine sichere Identifizierung und Authentifizierung der Energiegemeinschaft auf dem Web-Portal sowie für eine verschlüsselte Übermittlung der Daten nach dem Stand der Technik zu treffen.
  • Der Netzbetreiber hat den zwischen den teilnehmenden Netzbenutzern vereinbarten statischen oder dynamischen Anteil an der erzeugten Energie den jeweiligen Anlagen der teilnehmenden Netzbenutzer zuzuordnen.
  • Die Netzbetreiber müssen die von den Energiegemeinschaften gemeldeten Informationen unverzüglich der Regulierungsbehörde zur Verfügung stellen.

Stand der Umsetzung von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG)
Registrierung, Energiedatenaustausch, Abrechnung

Stand: Dezember 2021

 

Kurzfassung

EEGs mit einer oder mit mehreren Erzeugungsanlagen können schon jetzt gegründet und in Betrieb genommen werden. Da netzbetreiberseitig noch wichtige IT-Prozesse angepasst werden müssen, gibt es für den Betrieb von EEGs mit mehreren Erzeugungsanlagen derzeit eine Übergangslösung, die erfordert, dass Teilnehmer einer bestimmten Anlage zugeordnet werden. Sobald die erforderlichen IT-Prozesse voll implementiert sind, werden schon bestehende EEGs automatisch in den vorgesehenen Regelbetrieb übergeführt.

Rechtliche Situation

Die für EEGs relevanten Bestimmungen (im EAG u. ElWOG) sind am 28.07.2021 in Kraft getreten, seitdem ist die Gründung von Energiegemeinschaften möglich. Mit dem Inkrafttreten der Novelle der Systemnutzungsentgelte-Verordnung (am 01.11.2021) wurden die Reduktionen der Netzentgelte für EEGs definiert. Somit sind alle gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben, um eine EEG zu gründen und zu betreiben.
Eine EEG kann nur im Konzessionsgebiet eines Netzbetreibers (NB) umgesetzt werden, wobei der jeweilige NB für die EEG ein zentraler Ansprechpartner ist.
Sowohl während der Gründung als auch beim laufenden Betrieb von Energiegemeinschaften kommt dem Netzbetreiber eine ganz wesentliche Rolle zu. Er ist u.a. verpflichtet, über den Netzanschluss Auskunft zu geben, Energiegemeinschaften und anderen Marktpartnern Energiemengen zuzuordnen, Energiewerte (gemessene sowie ermittelte) zur Verfügung zu stellen und reduzierte Netztarife abzurechnen.

Operativer Betrieb – Datenaustausch

Auf welche IT-Systeme die Netzbetreiber (in Österreich gibt es mehr als 120) dabei zurückgreifen, um den oben genannten gesetzlichen Verpflichtungen nachzugehen, wurde ihnen freigestellt. Neben dem Einsatz verschiedener interner Abrechnungssysteme verwendet ein großer Teil der österreichischen Netzbetreiber (und andere Akteure der österreichischen Energiewirtschaft) die Infrastruktur der EDA (Energiewirtschaftlicher Datenaustausch), um so den Datenaustausch zwischen allen Akteuren zu gewährleisten.

Ist-Situation & Übergangslösung

Leider war es seitens der Netzbetreiber bis heute nicht möglich, die entsprechenden Prozesse umzusetzen. Um Energiegemeinschaften vollständig in die beschriebenen IT-Prozesse zu integrieren, hat Oesterreichs Energie, Interessenvertretung der Energie-Wirtschaft, folgende schrittweise Umsetzung von EEGs vorgeschlagen:

  • Seit 04.10.2021 können EEGs mit einer Erzeugungsanlage registriert und von den Netzbetreibern in vollem Umfang abgewickelt werden. Die für diese Phase erforderlichen Marktprozesse für den Datenaustausch mit dem Netzbetreiber sind bereits auf www.ebutilities.at veröffentlicht. Betreiber einer EEG können den erforderlichen Datenaustausch selbst umsetzen, einen Dienstleister beauftragen oder auch das EDA Anwenderportal kostenfrei nutzen.
  • Für die vollständige Abwicklung von EEGs mit mehreren Erzeugungsanlagen müssen noch zentrale IT-Prozesse bei den Netzbetreibern und bei den Lieferanten, sowie beim EDA-Anwenderportal und bei Betreibern von EEGs aufgebaut bzw. angepasst werden. Bis diese voll implementiert sind, wird von den Netzbetreibern folgende Zwischenlösung vorgesehen:
  • Jedes Mitglied einer EEG muss einer bestimmten Erzeugungsanlage der EEG zugeordnet werden. Eine EEG mit mehreren Erzeugungsanlagen kann dennoch bereits seit 04.10.2021 gegründet und in Betrieb genommen werden, dafür muss die Energiegemeinschaft mit dem Netzbetreiber eine Vereinbarung abschließen. Sobald bei den Netzbetreibern die erforderlichen IT-Prozesse vollständig adaptiert sind, werden jene EEGs, welche mit dieser Zwischenlösung betrieben werden, automatisch durch die Netzbetreiber in den vorgesehenen Regelbetrieb übergeführt. Regelbetrieb bedeutet konkret, dass die erzeugte Energie der einzelnen Erzeugungsanlagen zusammengefasst und an alle Mitglieder der EEG gemäß deren vereinbarter Aufteilung zugeordnet wird.
  • Die Umsetzung des Regelbetriebs wurde seitens Oesterreichs Energie spätestens für das 3.Quartal 2022 in Aussicht gestellt.

Mit jener Übergangslösung der Zuordnung von Verbrauchern zu Erzeugungsanlagen bzw. mit der entsprechenden Zuteilungsmethodik können Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften mit mehreren Erzeugungsanlagen also bereits jetzt geplant und in Betrieb genommen werden.
Oesterreichs Energie versichert, dass die Netzbetreiber mit Hochdruck an der schrittweisen Umsetzung der Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften arbeiten und – wenn möglich – eine raschere Umsetzung (vor dem 3. Quartal 2022) durch alle Netzbetreiber anstreben. Wir verfolgen dieses Thema intensiv weiter.

E-Control

Die Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften versteht sich als Anlaufstelle bei Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern. In enger Abstimmung mit der Österreichischen Regulierungsbehörde E-Control wird den Initiator*innen und Mitgliedern von Energiegemeinschaften bei Problemen in der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern rasch und unbürokratisch Hilfe angeboten.

Die Aufgaben der E-Control sind unter anderem netz- und energiemarktrelevante Fragestellungen zu beantworten, Streitschlichtung durchzuführen, und im speziellen Fragen zu Smart Meter oder Netzentgelten etc. zu beantworten.

Bezogen auf Energiegemeinschaften hat die E-Control folgende Rechte und Pflichten:

  • Auf Verlangen der Regulierungsbehörde muss die Energiegemeinschaft umfassende Daten übermitteln (z.B. Einsicht in Bilanzen etc. gewähren)
  • Jährliche Veröffentlichung eines Berichts über die in Österreich gegründeten Energiegemeinschaften, ihre Anzahl und regionale Verteilung

Netzbetreiber – Kontakt

Sind Sie gerade dabei eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft (EEG) zu gründen, so ist die Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Netzbetreiber ein essenzieller Schritt, um schlussendlich als EEG in Betrieb zu gehen.

Hier finden Sie die Kontaktdaten der jeweiligen Netzbetreiber speziell für Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Die Liste wird laufend erweitert.

Energienetze Steiermark GmbH Julia Petek +43 (0) 316 90555- 0 energiegemeinschaften@e-netze.at Leonhardgürtel 10
8010 Graz
Innsbrucker Kommunalbetriebe AG Ing. Mag. (FH) Günter Brandstätter +43 512 502 5333 stromnetz@ikb.at Salurner Straße 11
6020 Innsbruck
Stromnetz Graz GmbH & Co KG Ing. Günther Stumptner +43 316 9395-1595 office@stromnetz-graz.at Schönaugürtel 65
8010 Graz
Elektrizitätswerk Clam Carl Philip Clam-Martinic e.U. & Ing. Ernst Haslinger +43 7269 66800 office@clamstrom.at
Stadtwerke Kitzbühel e.U. BL Ing. Bernhard Jud service@stwk.kitz.net